Von Seidenstraßen und Perlenketten

China startet sein neues Projekt „Seidenstraße“ international.

Ein Hafen in Sri Lanka, eine neue Autobahn in Pakistan, eine neue Brücke in Laos. All diese Infrastrukturprojekte scheinen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben. Jedoch sind sie Teil von Chinas „Belt and Road Initiative“, eines gewaltigen Investitionsprogramms, welches drei Kontinente umspannt und etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung tangiert.

Die neue Seidenstraße

Im Kern versucht China mit diesem Projekt, eine neue Seidenstraße des 21. Jahrhunderts zu etablieren; bereits über 60 Länder haben vielfältigen Formen der Zusammenarbeit im Rahmen des Vorhabens zugestimmt.

Für zahlreiche dieser Länder ist der Vorteil der Kooperation offensichtlich. Es handelt sich dabei um Länder wie beispielsweise Pakistan, die aufgrund zahlreicher politischer, sozialer und ökonomischer Faktoren vor Ort traditionell von internationalen Investoren gemieden werden. Für sie springt neben zahlreichen Krediten und Investitionen sowie der Aussicht auf deutliche Verbesserungen der Infrastruktur auch eine gewisse politische und wirtschaftliche Bindung an die Großmacht China heraus. In unserem Beispiel Pakistan haben die Chinesen unter anderem Guandar, vor wenigen Jahrzehnten kaum mehr als ein kleines Fischerdorf, in einen gewaltigen, modernen Handelshafen verwandelt.Ebenfalls positiv an der chinesischen Investition: im Gegensatz zu westlichen Geldgebern scheren sie sich um die Einhaltung der Menschenrechte genau so wenig, wie um die Zahlungsfähigkeit der betreffenden Länder.

Das ist mit der Grund, warum zahlreiche Experten das Handeln der Chinesen für riskant halten: die Wahrscheinlichkeit, dass Länder wie Pakistan die gewährten Kredite jemals zurückzahlen können, ist gering. Alleine in acht der 60 kooperierenden Staaten herrscht Bürgerkrieg, viele weitere gelten als politisch und wirtschaftlich instabil.

Geld fließt auch nach Afrika

Ferner investiert China nicht nur auf der eurasischen Landmasse und nicht nur im Rahmen der BRI: eine modernisierte Highspeed-Zugstrecke zwischen Nairobi und Mombasa in Kenia kann wohl kaum als Teil der neuen Seidenstraße gelten, auch ein neuer Staudamm in Guinea hat damit wohl wenig zu tun. Auch überall auf dem afrikanischen Kontinent hat China seine Finger in Infrastrukturprojekten dieser Art, große wie kleine. Getragen werden sie in den meisten Fällen von Krediten der chinesischen„Import-Export-Bank“, welche sich im Besitz des chinesischen Staates befindet. Auch in Afrika ist es unwahrscheinlich, dass das Geld jemals vollständig zurückgezahlt wird. China verschenkt jedoch auch kein Geld aus Mitgefühl. Es hat Interesse daran, sich in Afrika neben neuen Märkten zwei entscheidende Wirtschaftsfaktoren zusichern: Ressourcen und Arbeitskraft.

Afrika wird zu Chinas China

Es scheint auf den ersten Blick vielleicht nicht ersichtlich, warum das bevölkerungsreichste Land der Welt auf Arbeitskraft angewiesen sein sollte. Da sich China aber auf dem Sprung vom Schwellenland zur Industrienation befindet, hat auch die Bevölkerung in einem gewissen Maße davon profitiert. Immer mehr Arbeiter steigen in die Mittelschicht auf, es gibt mehr semiqualifizierte und qualifizierte Arbeitskräfte; China werden auf lange Sicht die unterqualifizierten, billigen Arbeitskräfte ausgehen, die es braucht, um weiter als „Fabrik der Welt“ zu fungieren. An genau diesen Arbeitskräften hat Afrika weltweit wohl das größte Aufkommen. China ist mittlerweile der mit Abstand größte Handelspartner des afrikanischen Kontinents als Ganzes. Indem es dort Abhängigkeiten und Strukturen des politischen und wirtschaftlichen Einflusses etabliert, versucht China, sich die natürlichen Ressourcen, Märkte und die Arbeitskraft des Kontinents zu erschließen und an sich zu binden, um nicht seinem eigenen Wohlstand zum Opfer zu fallen. Während US-Präsident Trump afrikanische Länder als „shitholes“ bezeichnet, könnten diese für China also in naher Zukunft zur Goldgrube werden.

Die Perlenkette

Bei Investitionen wie in Pakistan oder anderen Ländern entlang des indischen Ozeans jedoch geht es um etwas anderes. Sri Lanka konnte seinerzeit das geliehene Geld für den Bau eines Tiefwasserhafens nicht zurückzahlen und musste den neuen Hafen so auf 99 Jahre an die Volksrepublik verpachten. Auf selbige Weise hat China für 40 Jahre Kontrolle über den eingangs erwähnten Hafen in Pakistan; er liegt an der Schnittstelle wichtiger Land- und Seehandelswege, ist vor allem für Ölimporte aus dem Nahen Osten von entscheidender Wichtigkeit. In Myanmar versucht China momentan, eine ähnliche Übereinkunft zu erreichen und in Djibouti hat es eine Militärbasis errichtet. Das legt die Vermutung nahe, dass China versucht, eine Kette strategischer Knotenpunkte entlang des indischen Ozeans zu errichten, die sogenannte “String of Pearls”, zu deutsch: Perlenkette.

Eine neue Politik

Das alles würde bedeuten, dass sich die chinesische geostrategische Zielsetzung in den letzten Jahrzehnten stark verschoben hat. Statt mit seinen asiatischen Kontrahenten um regionale Dominanz zu buhlen versucht China zunehmend, sich auf der weltpolitischen Bühne zu etablieren.

China erschließt sich Märkte, wo westliche Mächte aus wirtschaftlichen, politischen und ethischen Gründen Bedenken haben und baut so seinen Einfluss aus, indem es in diesen Regionen in ein Machtvakuum stößt. Zusätzlich investieren die Chinesen verstärkt auch in der westlichen Peripherie, beispielsweise in Serbien und der Ukraine. Indem die Vereinigten Staaten international ferner zunehmend auf Isolationismus setzen, könnten sie den Chinesen ungewollt den Weg zur Zielgeraden freimachen.

Quellen

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