Nazis zerstören Trauerzug

Kurz nach den Demonstrationen in Chemnitz tauchte im Netz ein Video auf. Unter der Überschrift „Hetzjagd“ ist zu sehen, wie eine Gruppe deutscher Männer nicht deutschstämmige Personen verfolgt. Ein Mann versucht der fliehenden Person gar einen Tritt zu versetzen.

Zu diesem Video äußerte sich prompt der Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. Er behauptete, das Video sei eine Fälschung, relativierte seine Aussage nach starker Kritik jedoch. Man habe ihn missverstanden, betonte er. Die Echtheit des Videos, übrigens mittlerweile vom Verfassungsschutz selbst bestätigt, habe er nie angezweifelt. Stattdessen habe er vielmehr die Echtheit der angeblich gezeigten Hetzjagden infrage gestellt.

Unglücklich formuliert

Verständlicherweise spielt die teilweise Widersprüchlichkeit seiner Aussagen ihm nicht gerade in die Hände. Doch man muss nachsichtig sein. Maaßens eigentliche Intention nämlich war von vornherein eine ganz andere: Er wollte einer Desinformation vorbeugen. Der Titel des Videos, in dem die gezeigten Vorgänge als Hetzjagden bezeichnet werden, sei irreführend. Dazu bezog auch Wolfgang Bosbach, ehemaliger Abgeordneter der CDU Stellung. Er kenne Maaßen schon lange und schätze seine Sachkenntnis. Das politische Ausmaß seiner Worte sei vielfach hineininterpretiert worden.

Der Grund für die voreilige und damit ungenaue Äußerung Maaßens wird ebenfalls von Bosbach beschrieben: „Ich beobachte seit Jahren, dass es eine völlig widersprüchliche Erwartungshaltung gibt, die von den Medien aus befördert wird. Sie verlangen beides gleichzeitig: die sofortige politische Reaktion und die Aufklärung des gesamten Sachverhalts.“ (siehe hier) Demnach wollte Maaßen schnell reagieren, weil er eine Desinformation unterbinden wollte. In der Eile hat er dann die Tragweite seiner Äußerung nicht vorhergesehen und musste sich daraufhin einer Welle der Entrüstung ausgesetzt sehen. Man tut ihm Unrecht, wenn man nun wie aus den Reihen der SPD seinen Rücktritt fordert. Man sollte ihm eher für sein Engagement danken, sich überhaupt um den Schutz der Bevölkerung vor der Desinformation zu bemühen.

Falsch jedoch ist die davon losgeschlagene Debatte um die Begrifflichkeit. Ob es nun eine Hetzjagd oder eine Verfolgung war, trägt zur Sache wenig bei. Es zeigt auch, dass Maaßen immernoch nicht verstanden wurde. Für ihn ging es weniger um den Begriff als eher die Konnotation des Begriffes Hetzjagd. (siehe hier)

Zudem läuft die Debatte ohnehin auf nichts hinaus, denn eine rechtliche Definition von Hetzjagd gibt es gar nicht.

So sieht Trauer aus?

Diese Debatte übertönt leider die eigentlichen Geschehnisse um Chemnitz. Nationalsozialisten, die: „Wir sind die Fans – Adolf Hitler Hooligans!“ (siehe hier) rufen gehören keineswegs in ein Tross der Trauernden. Die Gewalt dieser Personen ist keine Antwort auf die Gewalt die dem 35-jährigen Daniel angetan wurde.

Außerdem wird durch die an den Demonstrationen teilnehmenden Nationalsozialisten das Bild von der viel größeren Gruppe friedlicher und keinesfalls extremistischer Demonstranten massiv geschädigt. Der Ruf der Chemnitzer Demonstrationen wird von einer verschwindend geringen Anzahl von gewaltbereiten Personen vollkommen zerstört und die Trauer um das Opfer verschwindet aus dem Blickfeld.

Das ist sehr schade. Es ist auch teilweise Mitschuld der Medien. Das ist zu erwähnen. Durch ihre Berichterstattung zeichneten sie ein gewisses Bild von den Demonstranten, das auf alle übertragen wurde und letztlich auch noch den Ruf der Stadt schädigt.

Auch hier gilt wie bei Maaßen allerdings wieder: Die Gesellschaft will, dass die Medien über alles berichten. Es ist also wieder eine Gratwanderung zwischen der Menge an Berichten über die Ausschreitungen der Extremisten und friedlicher Demonstranten. Ebendiese ist den Medien leider nicht gelungen.

Man kann also weder den Medien, noch Maaßen, noch den Demonstranten einen Vorwurf machen. Stattdessen sollte der Fokus auf die Problemverursacher gelenkt werden. Zum einen muss verhindert werden, dass es überhaupt zu Morden durch gewaltbereite Flüchtlinge kommt. Zum anderen muss Gewalt, wie die der in den Verfolgungen zu sehenden Personen, unterbunden werden. Man packe also die Probleme bei der Wurzel und bekämpfe nicht bloß die Symptome. Eine Regel, die eigentlich zu Genüge bekannt ist.

*www.zeit.de

*Hetzjagd-Video

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